“… and what about the ocean?“ (2016)

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03.03.2017
“… and what about the ocean?“ (2016)

Mediatisierte Nachhaltigkeitskommunikation am Beispiel der Ozeane

Juniorprofessorin Dr. Sandra Hofhues (Universität zu Köln), Dr. Harald Gapski (Grimme-Institut)

Laufzeit: November 2016 bis Februar 2017

Das Projekt zielte darauf ab zu eruieren, wie Kinder und Jugendliche in den Small Island Developing States (SIDS) auf einen nachhaltigen Umgang mit Meeren und Ozeanen vorbereitet werden. Ein besonderer Fokus lag darauf herauszufinden, welche Rolle digitale Medien bei der Vermittlung entsprechender Kompetenzen spielen könnten.

Die Initiative für das genannte Projekt ging vom Praxispartner International Ocean Institute (IOI) aus: Das IOI steht als Verein stets vor der Aufgabe, Akteur*innen für den nachhaltigen Umgang mit Meeren und Ozeanen zu sensibilisieren. Im Fokus aktueller Maßnahmen sind jedoch Erwachsene, die in Präsenzsituationen auf gegenwärtige Probleme und einen sensiblen Umgang mit Ressourcen aufmerksam gemacht werden. Aus der Bildungspraxis ist folglich der Wunsch entstanden, das genannte Thema nicht erst im Erwachsenenalter zu bearbeiten, sondern mit der Vermittlung nachhaltigkeitsbezogenen Wissens früher anzusetzen und mittels Bildungsangeboten über digitale Medien während des Kindes- und/oder Jugendalters auf nachhaltiges Handeln prägend zu wirken. Fungierte ein praktisches Problem als Auslöser für die gemeinsame Bearbeitung im Grimme-Forschungskolleg, ist die mit digitalen Medien verbundene Hoffnung des Kompetenzerwerbs doch in vielen Bildungsbereichen und bzgl. vieler Themen präsent. Entsprechend ist die Bearbeitung des Problems „… and what about the Ocean?“ als übergreifend anzusehen und die interdisziplinäre Problemlösung zwischen Medienpädagogik, Kunst und Bildungspraxis liegt nahe.

In der Projektlaufzeit stellte sich allerdings heraus, dass für die interdisziplinäre Problemlösung noch Hintergrundwissen fehlt: So hat sich der erste Projekt-Workshop im Dezember 2016 im Wesentlichen darauf konzentriert, die Zielgruppe „Kinder/Jugendliche in den SIDS“ näher kennenzulernen und ihre Bedarfe besser einzuschätzen. Eckpunkte für den Workshop wurden durch studentische Mitarbeitende zusammengestellt, etwa mögliche Ziele und Interessen an einer Bildung durch nachhaltige Entwicklung und ihre technische Ausstattung/Infrastruktur.
Durch die Recherchen, aber auch durch die diversen Expert*innenstimmen zeigte sich, dass die genannte Zielgruppe aus der Ferne nur unzureichend hinsichtlich ihrer eigenen Interessen und ihres (Medien-)Handelns einzuschätzen ist. Ohne dieses Wissen zu haben, wäre nach Aussage der Expert*innen die Maßnahmenplanung für die Bildungspraxis obsolet. Es wurde daher die
Empfehlung ausgesprochen, das mit dem Projekt verbundene Vorhaben nicht ausschließlich praktisch, sondern insbesondere auch empirisch durch Forschungstätigkeiten im Feld zu bearbeiten.

Nach dem ersten Projekt-Workshop stand das Projekt folglich an einem Scheideweg: Werden praktische Maßnahmen (z. B. kreative Problemlösungen in Form eines Campaignings) verfolgt oder soll erst eine empirische Untersuchung angestrebt werden, ehe es zur Umsetzung von Bildungsangeboten für die Zielgruppe kommt? Die Gruppe der Beteiligten hat sich dafür entschieden, letzteren Weg zu verfolgen, da das gegenwärtige Wissen für ein zielgerichtetes und erfolgreiches Campaigning als nicht ausreichend eingestuft wurde. Zugleich sind alle Beteiligten davon überzeugt, dass konkrete Maßnahmen eher bei analogen denn bei digitalen Medien ansetzen sollten, um die Bedingungen für Kinder und Jugendliche vor Ort in SIDS (eher) aufzugreifen. Insbesondere das weit verbreitete Narrativ der Digital Natives wurde für den zugrunde liegenden Gegenstand und als einzige Planungsgrundlage in Frage gestellt. Zu unsicher ist, welche Medien(-angebote) in den SIDS tatsächlich genutzt werden.

„… and what about the Ocean?“ ist damit ein Beispiel für ein Projekt zwischen Wissenschaft und Bildungspraxis, das zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Forschungs- und Entwicklungsziele noch nicht eingelöst hat: Zu früh hat sich im Projekt durch Recherchetätigkeiten sowie durch den ersten Projekt-Workshop gezeigt, dass die doppelte Zielrichtung (forschungsseitige Bearbeitung, praktische Entwicklung) angesichts fehlender empirischer Befunde kaum umsetzbar ist.

Weil die Erhebung und ggf. die Rekonstruktion des Medienhandelns vor Ort in den SIDS kostenintensiv ist, sollen künftig insbesondere kooperativ ausgelegte Lehrveranstaltungen mit Studierenden unter der Federführung der Universität Bochum zur Klärung beitragen. Darüber hinaus wird angestrebt, das Projektvorhaben „zurück“ nach Deutschland zu holen und hier mittels einer (weiteren) Projektkonzeption anzusetzen: Inwieweit beginnt die Bildung für eine nachhaltige Entwicklung bereits in Deutschland und bei den Haltungen in der Entwicklungszusammenarbeit in/mit/durch Medien?

Im September 2018 findet in Anknüpfung an dieses Forschungsprojekt  eine interdisziplinäre Summer School mit dem Titel „Nachhaltig(keit) kommunizieren – Wissen innovativ vermitteln“ an der Ruhr-Universität Bochum statt.

Foto: pixabay.com

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