Fragmentierte Öffentlichkeit (2021)

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02.03.2021
Fragmentierte Öffentlichkeit (2021)

Dr. Hubertus Neuhausen, Professorin Dr. Nadia Kutscher (Universität zu Köln), Professor Dr. Stephan Packard (Universität zu Köln), Professor Dr. Karl-Nikolaus Peifer, (Universität zu Köln), Aycha Riffi (Grimme-Institut), Lars Gräßer (Grimme-Institut)

Laufzeit: Januar 2021 bis Dezember 2021

Das Forschungsprojekt „Fragmentierte Öffentlichkeit. Interdisziplinäre Untersuchungen zu den medialen Bedingungen unserer Demokratie“ widmete sich der Frage: Wie sind Demokratie und Rechtsstaat in einer postdigitalen Gesellschaft möglich? Besorgniserregend sind populistische Beeinflussung von Wähler:innen und Bürger:innen, Einschränkung von Privatsphäre und Selbstbestimmung, Radikalisierung von Ausgrenzung und ungleicher gesellschaftlicher Teilhabe sowie politische Konkurrenz zwischen staatlichen Institutionen und kommerziellen Akteuren. Ein wiederkehrendes zentrales Motiv dieser Diagnosen betrifft die Fragmentierung der medial konstruierten gesellschaftlichen Öffentlichkeit: Bereits umgangssprachlich ist von „Filterblasen“ und „Echokammern“ die Rede, wo vereinzelte Teilöffentlichkeiten vermeintlich hermetische Kommunikation betreiben, tatsächlich jedenfalls Differenzen kommunikativ inszenieren. Die rechtliche Regulierung hat zwar die Veränderung der Kommunikationsstrukturen erfasst, zugleich aber große Schwierigkeiten, die neuen Akteure angemessen zu erfassen und Vorgaben entsprechend anzupassen.

Fokussiert auf die Beobachtung einer fragmentierten Öffentlichkeit hat dieses Projekt öffentliche Foren sowie wissenschaftliche Diskussionskreise organisiert, um in einem breiten transdisziplinären Verbund aus Medienwissenschaft, Medienrecht, Medienbildung, Mediensoziologie und Journalistik aktuelle Forschungsfragen und praktische Handlungsbedingungen aufzugreifen und weiterzuentwickeln. ln sechs öffentlichen Podien, vier wissenschaftlichen Workshops und zwei Seminaren sowie begleitenden Diskussionsrunden mit Studierenden ging es um die fachübergreifende Bearbeitung gesellschaftlicher Wandlungsprozesse sowie populärer Wissenschaftskommunikation.

Inhaltlich haben die Veranstaltungen aus diesem Projekt erheblich zum interdisziplinären Austausch und zur Weiterentwicklung von Konzepten in mindestens fünf Bereichen beigetragen: Erstens konnte das Projekt Modelle zur Beschreibung und Erforschung fragmentierter Öffentlichkeit schärfen und kritisch hinterfragen. Zweitens besteht weitgehende Einigkeit über einen erheblichen Bedarf, aktuelle Entwicklungen zu korrigieren. Drittens ging es um die Problematisierung von Subjektivität und Bürgertum in der postdigitalen Gesellschaft. Viertens müssen Strukturen und Akteure in Journalismus und Bildung in die Verantwortung genommen werden, sie können aber nicht Beliebiges leisten. Fünftens stehen wir vor einer gesellschaftlichen, aber auch wissenschaftlichen Herausforderung, die erwünschte zukünftige Gestaltung öffentlicher Diskurse auch positiv zu beschreiben. Eine demokratische Diskurskultur auf politischer und gesellschaftlicher Ebene bedarf eines rechtlichen Rahmens, der Gefahren minimiert und zugleich den Nutzen neuer Kommunikationsdispositive für die Bürger:innen maximiert.

Ergebnisse

 

Finanziert wurde das Projekt zum Teil zusätzlich durch Mittel von

  • der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln
  • der Initiative Medienapokalypsen: Hoffnungen und Ängste zum medialen Wandel am Institut für Medienkultur & Theater
  • dem Institut für Digital Humanities
  • dem Zentrum für LehrerInnenbildung.

Bild: Matthias Wewering auf Pixabay