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Super-Scoring als Bildungsherausforderung

Super-Scoring als Bildungsherausforderung

Die neu erschienene Open Access Gold-Publikation „Super-Scoring? Datengetriebene Sozialtechnologien in China und westlichen Demokratien als neue Bildungsherausforderung“ bündelt ins Deutsche übersetzte Fachbeiträge und Kurzinterviews mit internationalen Wissenschaftler(inne)n aus unterschiedlichen Disziplinen. Sie ist das Ergebnis eines Projekts des Grimme-Forschungskollegs an der Universität zu Köln und einer gleichnamigen Fachtagung, die das Grimme-Institut im Oktober 2019 gemeinsam mit der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) ausgerichtet hatte.

Der Band befasst sich mit dem Phänomen der Bewertung und Lenkung menschlichen Verhaltens aufgrund der Datenspuren, die wir alle im Netz hinterlassen. Sie erlauben es, Menschen zu vergleichen, zu sortieren und durch die Aufnahme in Listen einer Bewertung und damit einer Vielzahl von Verwertungslogiken auszuliefern. Beim so genannten „Scoring“ wird einer Person mithilfe algorithmischer Verfahren ein Zahlenwert zugeordnet, um ihr Verhalten zu bewerten und zu beeinflussen. „Super-Scoring“-Praktiken gehen noch weiter und führen Punktesysteme und Skalen aus unterschiedlichen Lebensbereichen zusammen, wie etwa Bonität, Gesundheitsverhalten oder Lernleistungen. Diese Verfahren könnten sich zu einem neuen und übergreifenden Governance-Prinzip in der digitalen Gesellschaft entwickeln. Ein besonders prominentes Beispiel ist das Social Credit System in China. Aber auch in westlichen Gesellschaften gewinnen Scoring-Praktiken und digitale Soziometrien an Bedeutung. Der Band stellt aktuelle Beispiele von datengetriebenen sozialen Steuerungsprozessen aus verschiedenen Ländern vor, diskutiert ihre normativen Grundlagen und gesellschaftspolitischen Auswirkungen und gibt erste bildungspolitische Empfehlungen.

Die Buchpublikation ist als Band 6 der Schriftenreihe zur digitalen Gesellschaft NRW im kopaed-Verlag erschienen. Alle Beiträge des Bandes sind lizensiert unter CC-BY-SA. Die Publikation und die Schriftenreihe werden gefördert durch die Landesregierung Nordrhein-Westfalen.

Mit Beiträgen von Larry Catá Backer (Pennsylvania State University), Yongxi Chen (University of Hong Kong), Lina Dencik (Cardiff University), Harald Gapski (Grimme-Institut), Dirk Helbing (ETH Zürich), Arne Hintz (Cardiff University), Nicolas Kayser-Bril (AlgorithmWatch), Nadia Kutscher (Universität zu Köln), Steffen Mau (Humboldt-Universität zu Berlin), Mareike Ohlberg (German Marshall Fund), Stephan Packard (Universität zu Köln), Felix G. Rebitschek (Harding Center for Risk Literacy), Joanna Redden (University of Western Ontario), Stefan Selke (Hochschule Furtwangen), Thomas Tekster (Grimme-Institut), Gert G. Wagner (Max Planck Institut für Bildungsforschung), Harry Warne (Cardiff University), Christiane Woopen (Cologne Center for Ethics, Rights, Economics, and Social Sciences of Health) und Isabel Zorn (TH Köln).

Bibliographische Angaben:

Gapski, Harald; Packard, Stephan (Hrsg.) (2021): Super-Scoring? Datengetriebene Sozialtechnologien als neue Bildungsherausforderung. Düsseldorf, München: kopaed. ISBN: 978-3-86736-575-8.

Die Open Access Version dieses Bands ist zu finden unter:

www.grimme-institut.de/schriftenreihe

Die Dokumentation der Fachtagung mit Videoaufzeichnungen und Blog findet sich unter:

www.superscoring.de

Wir trauern um <br>Manfred Faßler

Wir trauern um
Manfred Faßler

Vollkommen unerwartet und plötzlich ist der Vorsitzende des Kuratoriums des Grimme-Forschungskollegs Prof. Dr. Manfred Faßler am 17. April 2021 verstorben. Manfred Faßler war Professor am Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie an der Goethe Universität Frankfurt am Main und hat dort als international vielbeachteter Wegbereiter einer koevolutionären Anthropologie des Medialen gewirkt. 2018 wurde er zum Vorsitzenden des Kuratoriums des Grimme-Forschungskollegs an der Universität zu Köln gewählt.

Wir trauern um einen in der Sache sehr engagierten Kollegen und Weggefährten, der uns viele wertvolle Impulse für die Entwicklung und Profilierung des Grimme-Forschungskollegs geliefert hat.

Ein digitales Kondolenzbuch wird vom Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main bereit gestellt.

Foto: Andreas Möllenkamp, CC-BY-SA-3.0